Interview mit Peter Ulrich, Actetre - Referenzprojekt Agentur Outline Augsburg

»Ich bin mit Sicherheit süchtig nach Papier«

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Alle Welt redet von „Digitalisierung“ als quasi unabwendbarem Trend. Privat aber sehnen sich die Menschen oft wieder mehr unmittelbarer Zwischenmenschlichkeit, nach Haptik und dem Gefühl – ganz analog – etwas mit anderen zu teilen. Vom Theater-Besuch (die Vorstellungen sind landauf landab gut besucht) über die verschiedensten Heimwerker-Aktivitäten bis hin zum gemeinsamen Kochen hat weit mehr als nur in den Medien-Plattformen vieles Konjunktur, was Menschen real zusammenbringt.

Eine weitere Spielart ist die „Retro-Kommunikation“ per Postkarte.  Das Vergnügen, eine Grußkarte zu schreiben, erschöpft sich nicht darin, diese erst mal (in einem realen Laden) auszuwählen und in Händen zu halten.  Auch die Freude, die der Adressat beim Öffnen des sonst oft leer erwarteten Briefkastens wohl empfindet, wenn auf dem Umschlag eine Handschrift zu lesen ist, offenbart die Sehnsucht des Menschen nach Unmittelbarkeit.

Die OUTLINE Dialog-Redaktion hat mit Peter Ulrich gesprochen, dem Gründer und Geschäftsführer der ACTEtre Deutschland GmbH

OUTLINE: Gerade die Grußkarten von ACTEtre erfreuen sich konstant und aktuell eines deutlich wachsenden Absatzes. Wie passt das ins Bild, wenn doch alle Welt scheinbar nur noch elektronisch kommuniziert?

ULRICH: Eigentlich hat das „elektronisch geschriebene Wort“ dem Schreiben auf Papier sogar gut getan. Wo vor 10 Jahren vermehrt telefoniert wurde, wird jetzt eine Textnachricht geschrieben. Das Zauberwort dabei ist „geschrieben“. Wenn man es also eher wieder gewöhnt ist zu schreiben, kommen schnell wieder Anlässe wie Geburt, Hochzeit, Trauer etc. wo es einfach persönlicher ist zu einem Stift zu greifen. Das hilft unserer Branche natürlich.

OUTLINE: Ist das ein Retro-Trend, Ihrer Meinung nach? Also so wie derzeit Handarbeiten, Basteln und Chorsingen wieder hoch beliebt sind, verschickt man nach wie vor und gerne mal wieder eine Grußkarte?

ULRICH: Ein wenig Retro ist schon dabei. Es gibt zum Beispiel wieder vermehrt jüngere Leute die Notizbücher benutzen oder ganze Stempelsammlungen aufbauen um das geschriebene Wort noch zu verschönern. Ich sehe das aber als einen positiven Retrotrend weil er zu den Ursprüngen von Kommunikation zurückgeht. Es geht dabei nicht nur um den Inhalt sondern auch um die Form.

OUTLINE: Was sind aktuell die Hauptanlässe weswegen Mitmenschen einander Grußkarten schicken? Weihnachten? Geburtstag? Hochzeit?

ULRICH:  Eindeutig der Geburtstag, und leider sind es auch die Trauerfälle.

OUTLINE: Der uralte Ausdruck „befreundet sein“ wurde durch die „Sozialen Netzwerke“ in den letzten Jahren umgedeutet. Könnte es sein, dass eine frankiert verschickte Karte in der Vorweihnachtszeit, zu einem runden Geburtstag oder einer anderen Lebensstufe dann doch eine andere Wertschätzung ausdrückt als eine Mail oder ein „Like“?

ULRICH: Letztlich geht es bei Freundschaft doch auch darum zu spüren dass jemand an einen denkt und sich dafür auch Zeit nimmt. Die E-Mail steht eben (oft zu recht) im Verdacht auch an diverse andere Personen verschickt worden zu sein. Bei einem Brief ist das nur theoretisch möglich.

OUTLINE: Sie gründeten ACTEtre schon vor vielen Jahren. Heute sind Sie europaweit aktiv. Den Großhandel betreiben Sie nach wie vor von Augsburg aus. Was reizt Sie heute an diesem „selbsterfundenen“ Beruf?

ULRICH: Es sind jetzt 14 Jahre und es ist immer spannend geblieben. Zum einen wird in unserer Branche nicht nur nach Kosten und Nutzen gefragt, es ist ein Metier der „weichen Entscheidungen“. Beispielsweise wird von unseren Kunden immer mehr Wert darauf gelegt dass die Produkte aus Europa kommen, im Idealfall sogar aus Deutschland. Es geht viel um Qualität, Ästhetik, um Humor und um Glaubwürdigkeit. Ich kenne nicht jeden unserer Kunden und ich bin beim besten Willen nicht mit jedem befreundet, aber alles in allem haben wir es meist mit freundlichen, stilvollen Menschen zu tun, das weiß ich schon sehr zu schätzen.

OUTLINE: Sie sind ursprünglich Journalist, wurden dann Verleger. Sie seien ein „haptischer Mensch“, sagten Sie. Heißt das, Sie sind auch generell ein Papierliebhaber? Macht es Ihnen Spaß diese Leidenschaft mit anderen zu teilen?

ULRICH: Ich bin mit Sicherheit süchtig nach Papier. Eine Zeitung auf einem e-Reader zum Sonntagsfrühstück wäre für mich nur der halbe Spaß. Ein Buch am Strand, ein schöner Kunstdruck an der Wand und natürlich eine sorgfältig gedruckte und geprägte Karte im Briefkasten, das macht für mich schon Lebensqualität aus. Digital mag praktisch sein, Papier ist sinnlich – da ist die Entscheidung was man mehr mag doch nicht wirklich schwierig.

 

Der Internet-Auftritt von ACTEtre richtet sich ausschließlich an den Handel, also Wiederverkäufer wie etwa Papierfachgeschäfte – schwerpunktmäßig in Deutschland und Frankreich. Die Agentur OUTLINE hat im Rahmen eines Digitalisierungsprojektes sowohl die digitale Infrastruktur des Großhandels so angepasst, dass sich registrierte Händler tagesaktuell über verfügbare Artikel informieren und diese direkt bestellen können. In neuer Gestaltung wurde die Darstellung jeweils für PC / Tablet / Smartphone optimiert und in einem Content Management System umgesetzt.