Wie Künstliche Intelligenz Arbeitsplätze verändern wird

Künstliche Intelligenzen: Effizienzsteigerung oder Jobkiller?

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(1. Mai 2019) – Physikalisch betrachtet ist Arbeit Kraft entlang eines Wegs. Was ein Bauarbeiter mit der Schaufel in einer Stunde bewegen konnte, kann ein Radladerfahrer in Sekunden verschieben. Den Lauf der wirtschaftlichen Moderne kennzeichnet wohl nichts stärker als das Streben, mit dem Einsatz von weniger Arbeitskraft mehr zu erreichen.

Niemand käme auf die Idee, sich die alten Zeiten der Knochenarbeit zurückzuwünschen. Zumal gerade hierzulande – dieser Hinweis darf am heutigen „Tag der Arbeit“ eingefügt werden – ein volkswirtschaftlich effizientes Zusammenspiel zwischen Unternehmen und Gewerkschaften stattfindet.

Zumindest in der Theorie soll durch Automatisierung die Produktivität eines einzelnen Arbeitsplatzes erhöht werden. Und dort, wo Materie bewegt, geformt und mechanisiert wird, in der Industrie also, klappt diese Erhöhung der Wertschöpfung im Großen und Ganzen seit vielen Jahrzehnten recht gut. Die wenigeren Arbeitsplätze werden besser bezahlt – was wiederum den Anreiz für Unternehmen steigert, in neue Effizienzsteigerung zu investieren. Und auch dieser Zusammenhang steigert volkswirtschaftlich den Wohlstand.

Doch abgesehen davon, dass Mechanisierung und Robotisierung inzwischen einen kaum noch effizient steigerungsfähigen Grad erreicht haben, was bedeutet die Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) für diese für alle Beteiligten nützliche Spirale?

Macht KI jede menschliche geistige Arbeit obsolet?

Befinden wir uns schon in einem neuen Quantensprung in der Wirtschaft? Und werden neben autonomen Robotern, 3D-Druck, Wasserstoff-/E-Mobilität, Künstliche Intelligenz effiziente Treiber sein? Lässt sich dieser, die Prozesse stets wandelnde Vortrieb der Rationalisierung und der Ressourcen-Effizienzsteigerung nun durch Künstliche Intelligenzen aufs Neue befeuern?

Wir meinen eindeutig: Ja. Doch wenn KI gelegentlich so dargestellt wird, als könne sie in Kürze völlig überlegen jede menschliche geistige Tätigkeit obsolet machen, dann ist das, bei Nähe betrachtet – einfach Quatsch.

„Künstliche Intelligenz bedeutet, Wege zu finden, wie man Computer dazu bringt, Dinge zu tun, die die Menschen im Moment besser machen“ Rich, Elaine: Artificial Intelligence. McGraw-Hill Inc., New York, 1983.

Es sind schlichte Sätze wie diese frühe Definition, die den Menschen Schauer über den Rücken jagen können. Abgesehen davon, dass inzwischen der Begriff „Künstliche Intelligenz“ sehr gerne in der Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen eingesetzt wird um einem Thema Bedeutung zu verleihen – und abgesehen davon, welchen Beitrag von Fall zu Fall KI  wirklich geleistet hat: Werden uns Künstliche Intelligenzen (und es ist gut, hier in der Mehrzahl zu sprechen) die Jobs, die Arbeit wegnehmen?

Um es vorweg zu sagen, KI ist längst in unserem Alltag angekommen. Denken Sie nur an die unheimlich präzisen Voraussagen der Navigation mit GoogleMaps bezüglich Ankunftszeiten auf langen Autostrecken, auf deren Weg verschiedene Hindernisse wie Baustellen, Umleitungen und Starkregen die Fahrt beeinflussen. Aber das hat doch nichts mit Jobs zu tun, sagen Sie?

KI macht Prozesse effizienter und genauer

Im 19. und 20. Jahrhundert stürmisch verlaufende Industrialisierungs-, sprich: Mechanisierungs-Prozesse mit Schwerpunkt ausgehend in Europa und dann der ganzen Welt, haben Abermillionen Menschen weitgehend von harter körperlicher Arbeit befreit. Mechanisierte Herstellungsprozesse haben Menge und Qualität hergestellter Waren erhöht. Computer haben seit den 80ern zunehmend die ehemals „Weißkittel“-Berufe genannten Tätigkeiten vereinfacht. Das Zeichenbrett ist verschwunden, das vorherrschende Eingabegerät sind Maus und Tastatur. Die nächste Revolution der geistigen Arbeit wird geprägt durch Eingabe per Stimme – noch mehr aber durch Daten, die bereits ohne menschliches Zutun, insbesondere über Sensoren erfasst und gespeichert werden. Wenn es um solche „Big Data“ geht, ist der Mensch mit seinen Fähigkeiten der Zuordnung und Auswertung in jeder Hinsicht überfordert.

Eine Maschine hingegen, wenn sie richtig auf die Aufgabe ausgerichtet ist, kann einerseits extrem schnell und unermüdlich verarbeiten und andererseits darin immer besser werden. Je nach Einsatzzweck kann dies bedeuten, dass nach einer (in der heutigen Realität noch sehr aufwändigen) Trainingsphase die vielen neuen Daten zu immer höherer Verfeinerung der Ergebnisse führen. So ist etwa im Bereich Bilderkennung inzwischen schon ein Stadium erreicht, wo spezialisierte und trainierte KI Anzeichen für Hirntumore auf Tomographien genauso gut erkennen wie die besten Radiologen weltweit – wenn nicht sogar besser. Oder dass das Foto eines Muttermals per Smartphone reicht, um mit praktisch absoluter Sicherheit gesagt zu bekommen, ob es sich um eine gut- oder bösartige Veränderung handelt.

Die Produktivität pro Kopf menschlicher Arbeitskraft zu erhöhen, ist die Triebfeder der modernen Ökonomie schlechthin. Deswegen wurden Kräne und Bagger erst eingeführt, gefolgt von immer größeren und stärkeren. Fließbänder beschleunigten erst die Handmontage, heute werden Autos überwiegend von Robotern gefertigt.

KI wird menschliche Arbeit nicht ersetzen – aber ergänzen und verbessern

Doch wer jetzt an das 1:1 Ersetzen einer Fähigkeit (oder sogar vieler Fähigkeiten) eines einzelnen oder weniger Menschen denkt, liegt – zumindest aus heutiger Sicht komplett falsch. So wie der Bau und Betrieb eines humanoiden Roboters viel zu teuer, sein Einsatz lückenhaft und gegenüber authentischen Menschen unglaubwürdig wäre, lohnt es derzeit, KI eher dort einzusetzen wo Menschen zu langsam, von zu vielen Daten überfordert oder schlicht wegen der Arbeitsbedingungen nicht einsetzbar wären – oder es handelt sich um etwas, was den Menschen seit jeher nach vorne treibt: Etwas ganz Neues, noch nie Dagewesenes. Wie etwa ein Navigationssystem, das scheinbar alles voraussagen kann, alle Eventualitäten einbezieht - wie ein allwissender Beifahrer. Oder ein Modeberater, der sich nicht nur gemerkt hat, was man wann gekauft hat, sondern richtig gute Tipps nach eigenem Geschmack liefert - ganz ohne aufdringlich zu wirken. Wie halt ein guter Verkäufer gegenüber einem langjährigen Stammkunden. Nur mit einer 1000-fach größeren Auswahl als im Fachgeschäft.

So ganz neutral wird es also nicht gehen. Bleibt zu hoffen, dass das Neue dynamischer wächst als das nicht Veränderungsbereite an Boden verlieren wird.

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